Vorsicht Pigmentflecken: Darum ist Parfüm in der Sonne tabu!

Natalja Felsing

26. August, 2021

Pigmentflecken durch Duftstoffe: Darum ist Parfüm in der Sonne tabu!

Der Urlaub ist die schönste Zeit des Jahres. Besonders im Sommerurlaub im Süden darf die Sonnencreme zum Schutz vor Sonnenbrand und Altersflecken auf keinen Fall im Reisegepäck fehlen. Doch was nützt die Sonnencreme gegen Sonnenbrand wenn sie Pigmentflecken verursacht? Richtig gelesen, Sonnencreme kann Pigmentflecken verursachen - genauer gesagt die Duftstoffe darin. Und auch Parfüm und andere Hautpflegeprodukte können für unschöne Flecken sorgen.

Pigmentflecken durch Duftstoffe

Wie entstehen Pigmentflecken?

Pigmentflecken sind in der Regel harmlose Hautveränderungen in unterschiedlichen Ausprägungen, die aufgrund einer Pigmentierungsstörung entstehen. Unter Pigmentflecken werden Muttermale, Altersflecken, Sommersprossen und Melasmen bzw. Chloasmen zusammengefasst.

Die Ursachen für die Entstehung von Pigmentflecken sind unterschiedlich. Muttermale und Sommersprossen sind vor allem genetisch bedingt und entwickeln sich im laufe des Lebens. Insbesondere Menschen mit einem sehr hellen Hauttypen neigen vermehrt zu Muttermalen und Sommersprossen.

Den größten externen Einfluss hat die Sonneneinstrahlung. UV-Strahlen regen die Melaninproduktion in der Haut an und setzen zugleich freie Radikale frei, die die Zellen angreifen. Umso intensiver die Sonnenexposition im Laufe des Lebens ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für Altersflecken, Pigmentflecken und Muttermale sowie Falten. Dabei handelt es sich um sogenanntes Photo-Aging - Hautalterungserscheinungen bedingt durch die schädliche Wirkung der Sonneneinstrahlung.

Auch hormonelle Veränderungen können Pigmentstörungen wie Melasmen und Chloasmen hervorrufen. Insbesondere während der Schwangerschaft entwickeln viele Frauen eine Überpigmentierung im Gesichtsbereich. Die Steigerung der Östrogenproduktion regt die Melanozyten zur Bildung des Hautfarbstoffs Melanin an, welcher sich ansammelt und und nur langsam wieder abgebaut wird. Gleichermaßen können hormonelle Schwankungen aufgrund von Schilddrüsenerkrankungen eine Pigmentstörung auslösen.

Wie entstehen Pigmentflecke durch Duftstoffe?

Duftstoffe sind eine unterschätzte und für viele auch eine unbekannte Gefahr, wenn es um die Entstehung von Pigmentflecken geht. Ob Sonnencreme, der liebste Sommerduft oder ein Deodorant: Sie enthalten oftmals ätherische Öle, die unter Einwirkung der Sonne unschöne Flecken bzw. eine ungleichmäßige Bräune und sogar Hautreizungen hinterlassen können. Dieses Phänomen nennt sich Phototoxische Dermatitis.

Bei der Phototoxischen Dermatitis handelt es sich um eine Entzündungsreaktion der Haut auf chemische Bestandteile in Kosmetika, die bei Sonneneinstrahlung toxisch werden. Durch die Einwirkung der UV-Strahlen wird eine chemische Reaktion ausgelöst, die eine chemische Veränderung einzelner Bestandteile in Sonnencremes, Hautcremes etc. verursacht. Aus eigentlich harmlosen Stoffen werden so Stoffe mit hohem Reizpotenzial. Dadurch werden Hautirritationen, Sonnenbrand und sogar Hautverbrennungen mit Blasenbildung begünstigt. Nach dem Abheilen bleiben Pigmentstörungen in Form von weißen oder braunen, unregelmäßigen Flecken zurück, die häufig nie vollständig verschwinden. Zu den Auslösern einer solchen Hautreaktion zählen Furocumarine.

Was sind Furocumarine?

Furocumarine sind sekundäre Pflanzenstoffe, die eine photosensibilisierende bzw. phototoxische Wirkung haben. Das bedeutet, sie können bei Sonneneinstrahlung auf der Haut allergische Reaktionen, Juckreiz und Rötungen auslösen. Für die Pflanze selbst sind Furocumarine Abwehrstoffe, die zum Schutz vor Stressoren wie der UV-Strahlung, Schimmelpilzen oder Insekten dienen.


Furocumarine sind Bestandteil zahlreicher ätherischer Öle die z.B. aus Zitrusfrüchten wie Zitrone, Grapefruit und Limetten gewonnen werden. Allerdings enthalten nicht alle ätherischen Öle aus Zitrusfrüchten besorgniserregende Mengen an Furocumarinen.

Weitere, für die Haut problematische Öle in Kombination mit der Sonne sind beispielsweise Bergamotte, Mandarinenblatt, Kreuzkümmel und Angelikawurzel.


Die gezielte Verwendung von Furocumarinen in Kosmetik ist grundsätzlich verboten laut EU-Kosmetikverordnung. Das gilt jedoch nicht bei der Verwendung von ätherischen Ölen, die natürlicherweise Furocumarine enthalten und häufig in Parfüms oder Körperölen enthalten sind. Viele Kosmetikhersteller setzen daher insbesondere in Hautcremes auf ätherische Öle, denen die Furocumarine entzogen wurden, um unerwünschte Hautreaktionen zu vermeiden.

Für Sonnencremes und Bräunungsprodukte gilt ein Höchstwert von 1 mg auf 1 kg Produkt. Bei Menschen mit einer empfindlichen Haut oder einer Tendenz zu Duftstoffallergien reicht jedoch auch dieser Anteil bereits aus, um eine phototoxische Reaktion und Pigmentflecken hervorzurufen.

Verschwinden Pigmentflecken durch Duftstoffe von selbst?

Wenn die Haut nach der Verwendung von Sonnencreme, Parfüm oder einem anderen Pflegeprodukt in der Sonne eine phototoxische Reaktion aufweist, zeigen sich die Pigmentflecken erst nach einer gewissen Zeit. Die betroffene Hautpartie muss zunächst abheilen und zurück bleiben unregelmäßige pigmentierte Hautstellen. Bis diese Flecken verschwinden, können mehrere Wochen oder Monate vergehen. Wie schnell der Regenerationsprozess der Haut ist, hängt u.a. vom Alter, der Sonnenexposition und genetischen Faktoren ab.

In vielen Fällen verblassen die Pigmentstörungen ausgelöst durch Duftstoffe nie vollständig. Ist das der Fall, können die Hautstellen je nach Stärke der Pigmentierung nur noch durch die Anwendung von aufhellenden Wirkstoffen wie z.B. der Kressesalbe oder durch kosmetische Behandlungen bzw. Laserbehandlungen aufgehellt werden.

Wie können Pigmentflecken vorgebeugt werden?

Die meisten Kosmetikhersteller verzichten auf den Einsatz von furocumarinhaltigen Inhaltsstoffen, eine Kennzeichnung auf den Produkten gibt es jedoch nur selten.


Natürliche Duftstoffe machen einer normalen Haut ohne Allergien oder Erkrankungen grundsätzlich nichts aus. Menschen mit einer sensiblen Haut sollten insbesondere bei Sonnencreme oder Bräunungsölen auf Produkte ohne Duftstoffe und Alkohol zurückgreifen. Gleiches gilt auch für Hautpflegeprodukte wie Bodylotions und Gesichtscremes. Nur so können phototoxische Reaktionen und damit Pigmentflecken nach einem Sonnenbad vermieden werden.


Auf die Verwendung von Parfüm muss grundsätzlich nicht verzichtet werden. Allerdings sollte das Parfüm nicht direkt auf die Haut aufgesprüht werden. Insbesondere dann, wenn es ätherische Öle aus Bergamotte oder Zitrusfrüchten enthält. Besser ist es, einige Spritzer auf das Haar oder die Kleidung zu geben, um Pigmentflecken zu vermeiden. Bei Parfüms, die keine potenziell furocumarinhaltigen ätherischen Öle enthalten, gibt es keine Bedenken beim Auftragen auf die Haut.


Generell sollten Sonnenbäder in der Mittagshitze vermieden und die Haut stets vor starker UV-Strahlung geschützt werden. Dadurch werden nicht nur Pigmentflecken, sondern auch Falten vorgebeugt.


QUELLEN

  • Nicole Raquet: In vitro Untersuchungen zum relativen phototoxischen und photogentoxischen Potential natürlich vorkommender Furocumarine und Limettin. 2011.
  • L. Musajo, G. Rodighiero: The skin-photosensitizing furocoumarins. 1962.
  • N.J. Neumann, S. Schauder: Phototoxische und photoallergische Reaktionen. 2013.